Am 17.02.2026 fand an der Grundschule Nordholz eine Veranstaltung mit Matthias Glaubrecht (Evolutionsbiologe und Biosystemiker an der Uni Hamburg) statt. Unser Verein Neue Pfade hatte dazu eingeladen. Mit dem Vortrag ist es gelungen, den über 100 Besucherinnen und Besuchern die tatsächliche Bedeutung des Verlusts der biologischen Vielfalt deutlich zu machen.

Als Lösung komme nur in Frage, dass der Natur mehr Raum – 30% der Land- und Meeresflächen bis 2035 und 50% bis Mitte des Jahrhunderts – gegeben werden muss. Zerstörte Lebensräume müssen wiederhergestellt werden. Die praktische Naturschutzarbeit müsse durch Landkreise und Kommunen geleistet werden, da der Charakter der biologischen Vielfalt ja die Fülle der heimischen Arten und Lebensräume vor Ort sei. Dafür müsse eine ausreichende finanzielle und personelle Ausstattung zur Verfügung gestellt werden.

Bericht: Das unbemerkte Sterben der Natur

Der Vortrag des Wissenschaftlers Matthias Glaubrecht war augenöffnend. Viele BesucherInnen erzählten nach dem Vortrag, die Dimension der Verluste der Biodiversität wäre ihnen nicht klar gewesen. Und es wäre ernüchternd.

Mit dem Vortrag ist es allerdings gelungen, die tatsächliche Bedeutung des Verlusts der biologischen Vielfalt deutlich zu machen, wobei dies sowohl die Artenvielfalt als auch die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und auch die verschiedenen Lebensräume umfasst.

Diese Krise, welch die gesamte Biosphäre unseres Planeten bedroht, dürfe nicht länger verdrängt oder ignoriert werden. Je länger das Ignorieren dieser Krise der Biodiversität anhält, desto geringer die Chancen, diese größte Herausforderung zu meistern, da wir unsere eigenen Lebensgrundlagen vernichten. Und das ist immer noch nicht wirklich im Bewusstsein der meisten Menschen, in Gesellschaft und Politik angekommen.

Drei Gründe dafür erläuterte er:

  1. Der Schwerpunkt der Debatte, der sich um den keinesfalls zu leugnenden Klimawandel dreht und damit verhindert, dass das Artensterben überhaupt als unabhängige globale Krise und unser größtes Problem wahrgenommen wird.
  2. Der menschengemachte Klimawandel wäre letztlich beherrschbar und umkehrbar, das Aussterben von Arten aber irreversibel und endgültig. Damit wäre auch unsere Nahrungsgrundlage, die Wasserreinhaltung und der Bodenaufbau irreversibel geschädigt, da schon länger Wachstum und Wohlstand an die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen gekoppelt ist, vom Holz der Wälder über die gesamte Palette tierischer und pflanzlicher Produkte und den Leistungen ganzer Ökosysteme.
  3. Der nicht nachhaltige Umgang mit ihnen sind die Ursache für die alarmierende biologische Verarmung.

Weiterhin habe der bisherige Naturschutz oft seinen Fokus auf die Erhaltung charismatischer Arten wir Eisbär und Tiger gelegt und auf Rote Listen, stattdessen hätte er schon viel eher den Erhalt der natürlichen Lebensräume angehen müssen.

Auch innerhalb der Wissenschaftsgruppe wurde versäumt, die Disziplinen der Biodiversitätsforschung zu verstärken. Deshalb konnte der drohende Schwund der biologischen Vielfalt lange nicht erkannt werden.

Als Lösung benannte Matthias Glaubrecht, dass der Natur wieder mehr Raum gegeben werden müsse: mindestens 30% der Land- und Meeresflächen und bis zu Mitte des Jahrhunderts 50% (Montreal Biodiversitätsabkommen). Die Politik müsse sie ausweisen und sie müssten in ihrer Schutzwürdigkeit erhalten bleiben bzw. dahin renaturiert werden. Dazu müssten Wildnisgebiete ausgewiesen werden, die unberührt bleiben.

Da der Charakter der biologischen Vielfalt gerade die Fülle der meist lokal oder regional begrenzt vorkommenden Arten ist, müssten wir sie in ihren Lebensräumen in unmittelbarer Umgebung erhalten.

Der praktische Schutz der Natur beginnt daher immer vor Ort.